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Wegen Beziehung suspendiert – Priester wird freier Trauredner

Thomas Kirsch war neun Jahre Pfarrer im Erzbistum Bamberg. 2005 bekannte er sich zu seiner Beziehung und wurde suspendiert. Für die Kirche darf er nicht mehr arbeiten, obwohl er gut ausgebildet ist. Seinen Weg als Seelsorger geht er trotzdem.

Drei Monate dauert damals die Übergangsfrist für Thomas Kirsch, dann bekommt der Pfarrer kein Gehalt mehr. Trotz guter Ausbildung darf er bis heute nicht mehr für die Kirche arbeiten.

„Schön wäre gewesen, wenn mir irgendwo ein Dienst in der Kirche angeboten worden wäre. Es gibt so viele Möglichkeiten. Man muss ja nicht in der Öffentlichkeit stehen. Es ist so viel in mich investiert worden und das wird auf einmal nicht mehr aufgegriffen.“ Thomas Kirsch, ehemaliger katholischer Pfarrer

Ein Gasthaus als Business-Plan

Zunächst findet Thomas Kirsch eine Anstellung bei einem Reiseveranstalter, dann ergibt sich für ihn in Lauf an der Pegnitz eine weitere Chance. „Ich wollte weiterhin direkt mit Menschen zu tun haben. Es treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus, gleichzeitig ist aber ein Bedürfnis nach Seelsorge da. Und da habe ich mir gedacht: Freier Redner, das wäre was“, erzählt Kirsch.

Aber: Er muss bekannt werden. Und das kann er nur, wenn er mit Menschen ins Gespräch kommt. Er eröffnet mit seiner Partnerin die Gastwirtschaft „Zum ehemaligen Pfarrer“. Vier Jahre lang ist er Gastronom. Doch seine Aufträge als freier Seelsorger nehmen stetig zu.

„In einer Wirtschaft kannst du mit Menschen reden. Das war quasi mein Business-Konzept. Aber nach vier Jahren Gastronomie habe ich es nicht mehr unter einen Hut bekommen“. Thomas Kirsch, ehemaliger Pfarrer und Gastronom

„Alle sind willkommen. Das war mir schon als Pfarrer wichtig“

Thomas Kirsch hadert nicht mit seinem ehemaligen Arbeitgeber, der katholischen Kirche, obwohl er auch als Priester glücklich und anerkannt war. Seine heutige Aufgabe als freier Redner sieht er mittlerweile der des Seelsorgers sehr ähnlich – er begleitet nach wie vor Menschen. „Ich mache eigentlich nichts anderes, als Seelsorger zu sein. Beziehungsweise Menschen bei Trau- und Trauerfeiern ein stückweit zu begleiten. Also das, was ich als Pfarrer auch gemacht habe.“

Gebucht wird er – gerade für Hochzeiten – von völlig unterschiedlichen Menschen. Viele sind aus der Kirche ausgetreten und können, wollen oder dürfen deshalb auch nicht in einer Kirche heiraten. Oder es sind Paare, bei denen einer oder beide schon kirchlich verheiratet waren oder geschieden sind. Die dürfen in der Kirche auch nicht mehr getraut werden. Auch zwei Frauen oder zwei Männer kommen zu ihm und wünschen sich eine Segensfeier oder freie Trauung.

Als Organist noch in der Kirche tätig

Der katholischen Kirche fühlt er sich bis heute verbunden, in einigen Pfarreien ist er auch als Organist tätig. „Das hat sich so ergeben, da bin ich irgendwie reingerutscht. Ich kann das auch gut trennen. Ich hatte als Priester eine schöne Zeit, doch das ist abgeschlossen. Jetzt ist eine neue Zeit und mein Platz ist nicht mehr unten am Altar, sondern hier oben an der Orgel.“

Bei seiner Entscheidung, katholischer Priester zu werden, wusste er, worauf er sich einlässt. Und er wusste auch, welche Konsequenzen es hat, wenn er sich verliebt und sich für eine Frau entscheidet. Deshalb hadert er nicht und ist auch nicht aus der Kirche ausgetreten.

Für Veränderungen in der Kirche eintreten

Als Mitglied der Kirche möchte Thomas Kirsch für Veränderungen eintreten. Er wünscht sich vor allem einen anderen, besseren Umgang miteinander. „Dass niemand ausgeschlossen wird und dass alle Menschen den Segen empfangen können.“ Ein Pfarrer segne schließlich auch Dinge wie Kräuterbuschen oder Fahrzeuge“, so Kirsch. „Wenn das für Autos möglich ist, muss ein Segen auch für alle Menschen möglich sein.“

Der Beitrag ist zu sehen in STATIONEN am Mittwoch, 16. Juni 2021 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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Quelle: https://www.br.de/

 

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